Reicht ein „Vielen Dank!“ an unsere „Helden der Corona-Krise“?

Einige Gedanken zur aktuellen Corona-Pandemie von Andreas Bär, Bürgermeisterkandidat und SPD-Fraktionsvorsitzender in Nidderau:

In diesen Tagen finden sich zahlreiche Aufrufe im Internet, den Beschäftigten im Gesundheits-, Pflege- und Erziehungswesen, bei der Polizei, Feuerwehr und Verwaltung, in der Transport- und Logistikbranche, bei den Lebensmittelerzeugern und -händlern, usw. zu danken, dass Sie in dieser schwierigen Zeit für uns „den Laden am Laufen halten“.

Dies ist vollkommen richtig, doch frage ich mich, ob das wirklich reicht. Verdienen diese Beschäftigten nicht vielmehr auch bessere Arbeitsbedingungen? Immer wieder liest man in Meldungen, dass zu wenig junge Menschen diese Berufe ausüben wollen. Bei der Polizei werden laut Zeitungsberichten die Standards für die Bewerber gesenkt, um überhaupt die offenen Stellen besetzen zu können. Im Bereich der Pflege sind wir auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Andere der genannten Gruppen haben ebenfalls zu großen Teilen mit schwierigen Arbeitsbedingungen zu kämpfen und/oder leiden unter Nachwuchskräftemangel.

Das passt für mich nicht zusammen. Einerseits danken wir diesen Berufsgruppen heute für ihren heldenhaften und wichtigen Einsatz in dieser schwierigen Zeit, andererseits arbeiten sie schon lange und wahrscheinlich auch nach der überstandenen Krise unter den aktuellen Bedingungen.

Ich würde mir deshalb wünschen, dass die aktuelle Corona-Krise bei den Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft zur Erkenntnis führt, dass die genannten Berufsgruppen extrem wichtig für das Funktionieren unseres Alltags sind und deshalb nicht nur unseren Dank und Respekt, sondern auch bessere Arbeitsbedingungen verdienen. Sei es in ihrem Dienstplan oder in ihrer Gehaltsabrechnung. Als Anerkennung für die schon heute dort Tätigen und damit sich in Zukunft wieder mehr junge Menschen für einen solchen Beruf entscheiden.

P.S.: Natürlich gibt es auch weitere Berufsgruppen, die „systemrelevant“ sind. Diese verdienen natürlich ebenfalls unsere Aufmerksamkeit und bessere Arbeitsbedingungen. Die oben genannten Gruppen sind aber diejenigen, die momentan besonders im öffentlichen Fokus stehen.